Schwere Vorwürfe gegen Vonovia in Wallraff-Reportage

Täuscht die Vonovia bei Mieterhöhungserklärungen hohe Kosten  vor?

Pressekonferenz in Witten-Heven am 4. Oktober um 11 Uhr

In der am 1.10.2018 bei RTL gesendeten TV-Reportage „Undercover in der Immobilienbranche“  des „Team Wallraff“  wurde unter anderem aufgedeckt, wie der Wohnungskonzern Vonovia durch stark überzogene Abrechnungen von Bauleistungen die Mieterhöhungen nach Modernisierung nach oben treiben kann. Bei einer Pressekonferenz vor Ort am 4. Oktober, 11 Uhr informieren wir über die aktuellen Vorwürfe zur Berechnung der Mieterhöhungen und fassen den Stand der Auseinandersetzungen mit den Modernisierungen der Vonovia zusammen. Mit dabei sein werden unter anderem der Journalist Manuel Heckmair vom „Team Wallraff“ , der an den Recherche aktiv beteiligt war, und der Heizungsbaumeister Detlef Poullie, die in dem Hevener Heizungskeller nicht fand, was die Vonovia abgerechnet hatte.

In einem Doppelhaus in Witten-Heven konnte der von dem „Team Wallraff“ entsandte Heizungsbaumeister Detlef Poullie in einen Heizungskeller eingeschleust werden und eine dem MieterInnenverein Witten vorliegende Abrechnungsliste der Baukosten im Detail überprüfen.

Team Wallraff: Heizungs-Experte stößt auf Mietkosten-Pfusch (Video)

Zu seinem Entsetzten stellte der Heizungsbaumister nicht nur extremem Pfusch bei der Ausführung der Arbeiten fest. Es wurden auch Kosten für Heizkörperventile berechnet, die nachweislich gar nicht verbaut wurden. Seit dem 1. Februar 2018 sollen die BewohnerInnen des Hauses eine Mieterhöhung von je etwa 120 Euro im Monat zahlen, die unter anderem mit den Kosten dieser fehlenden Bauteile (Heizungsventile) begründet war.

Kurz vor Ausstrahlung der Sendung versuchte die Vonovia durch ein Fremdunternehmen die fehlenden Ventile nachzurüsten. In einer Stellungnahme an das Team Wallraff behauptet sie nun, man habe „die Ventile verbaut, jedoch sei ein Abrechnungsfehler unterlaufen.“ Fakt ist: Es wurden bis zur der „Nachrüstung“ vor wenigen Wochen überhaupt keine Maßnahmen an den Heizkörpern vorgenommen.

Der MieterInnenverein verfügt über weitere Belege, die vermuten lassen, dass von der Vonovia zu Lasten der Mieter überhöhte und vorgetäuschte oder auch unsinnige Kosten in Ansatz gebracht werden. Auf die wiederholte Aufforderung zur Vorlage von Vertragswerken, Lieferantenrechnungen und Belegen der Bauabnahme, die derartige Zweifel ausräumen könnt, hat der Konzern nicht reagiert.

Nach Einschätzung des MieterInnenvereins Witten ist dieser Vorgang kein Einzelfall. Bei der mieterhöhungswirksamen Erneuerung von Heizungsanlagen kommt es regelmäßig zu unwahrscheinlich hohen Kosten, die nur durch konzerninterne Kostenaufstellungen „belegt“ werden. Dies sei aber nur einer der zahlreichen skandalösen Einzelheiten der typischen Vonovia-Modernisierungen und keineswegs auf Witten beschränkt, sagt der MieterInneverein in einer Presserklärung. Es gebe klare Hinweise darauf, dass die „Abrechnungsfehler“ Folge systematischer, standardisierter Verfahren und Vorgehensweisen sei, bei denen die lokalen Gegebenheiten weitgehend ingnoriert würden und die auf maximale Rendite optimiert seien. Auch das Chaos auf den Baustellen sei Folge einer renditeorientierten Unternehmensteuerung, die von der realen Immobilienbewirtschaftung weitgehend entkoppelt sei.

Der MieterInnenverein rät den Vonovia-MieterInnen, gegen die Mieterhöhungen nach Modernisierung rechtlich vorzugehen. Abgesehen davon, dass die dargestellten Kosten überhöht seien, seien die Modernisierungs-Mieterhöhungserklärungen der Vonovia formell mangelhaft. Dies sei in mehreren Urteilen, u.a. durch das Amtsgericht und das Landgericht Bremen, bestätigt worden. Der MieterInnenverein will in exemplarischen Fällen nun derartige Urteile auch für Witten erstreiten und alle Mieter ermutigen, die Mieterhöhungen zurückzuverlangen.

Die Staatsanwaltschaft Bochum ist am 2.10.2018 über die ersten vom MieterInnenverein Witten dokumentierten Vorfälle informiert worden.