Schweizer Wohnungs-AG Peach stellt sich in Witten mit fristlosen Kündigungen vor

Im letzten Jahr hat der Luxemburger Immobilienkonzern Grand City Properties ein Paket mit tausenden Wohnungen in NRW an den Zürcher Immobilienkonzern Peach Property verkauft. Darunter auch die Häuser in dem Wohnviertel Auf dem Höffken/Wannen in Witten-Heven. Keine drei Monate nach dem Verwalterwechsel erhielt eine ganze Reihe von MieterInnen nun Zahlungserinnerungen in vierstelliger Höhe. Einzelnen langjährigen Mietern wurde sogar fristlos  gekündigt. Der MieterInnenverein Witten, der seit vielen Jahren Menschen aus diesem Quartier vertritt, spricht von einem „sinnlosen Versuch, die MieterInnen zur Zahlung unbegründeter Forderungen zu bewegen“.

Auf dem Höffken

Die Mahnschreiben der Dortmunder Peach-Verwaltung an die Hevener Mieter weisen Forderungen in unterschiedlicher Höhe auf. Aber eines haben sie gemeinsam:  Dei Forderungen sind allesamt nicht überprüfbar. Die Hauptforderung bestehtin einem hohen negativen Saldobetrag für den 31.12.2020. Wie sich diese angeblichen Schulden zusammensetzen, ist den Mahnschreiben nicht zu entnehmen. „An den falschen Angaben zu den Zahlungsverpflichtungen seit Anfang des Jahres lässt sich aber feststellen, dass Betriebskostenvorauszahlungen in einer Höhe verlangt werden, die wir schon vor vielen Jahren abgelehnt haben“, erklärt Unger.

Im Falle der Eheleute B., die eine Kündigung erhalten haben und bis zum 25. März die Wohnung räumen sollten, wird außerdem eine Mietminderung ignoriert, die seit vielen Jahren wegen hartnäckiger Schimmelschäden vorgenommen wird.  In den Wintermonaten bildet sich in den Fensternischen und an unterschiedlichen Stellen der Außenwände und der ungedämmten Decke immer wieder dicker, gesundheitsschädlicher Schwarzschimmel. Wenn die Räume trotzdem noch bewohnbar aussehen, liegt es daran, fass Frau B. die Schäden alle paar Wochen überstreicht.

Ärger mit unbegründeten Mahnschreiben ist den Mietern in den Häusern nicht neu. Sie sind meist die Reaktion des Vermieters Reaktion darauf, dass die Mieter fehlerhafte

Betriebskostenabrechnungen zurückweisen. Seit dem erstmaligen Verkauf im Jahre 2005 habe es nicht eine einzige vollständig korrekte Nebenkostenabrechnung gegeben, sagt Unger. „Mal wurden Heiz- und Müllkosten völlig falsch aufgeteilt, dann wurden Mietzahlungen nicht korrekt aufgeführt oder Winterdienstkosten verlangt, obwohl die Mieter den Schnee fegten.“ Statt vollständiger Kostenbelege erhielten die Mieter mit schöner Regelmäßigkeit unbegründete Mahnschreiben, die unter andere längst verjährte Forderungen enthielten.

„Peach setzt diesen Unfug nahtlos fort“, stellt Unger fast. „Dass jetzt aber den Mietern wegen der mangelnden Sorgfalt dieser Geschäftemacher auch noch gekündigt wird, schlägt dem Faß den Boden aus“.

Unter den Gekündigten befindet sich auch ein 87jähriger Rentner, der seit dem Bau der Häuser hier wohnt und keineswegs mehr umziehen möchte. Für ihn ist die fristlose Kündigung eine ebenso große Belastung wie für die Eheleute B.. Die wollten nach Fortzug der Kinder eigentlich in eine kleinere leerstehende Wohnung im Hause ziehen. Jetzt aber fordert die neue Verwaltung die Zahlung von mehr als 5000 Euro angeblicher Rückstände, bevor sie den Mietvertrag unterschreiben. Die Eheleute haben ganz in der Nähe einen Garten, sie wohnen hier seit 20 Jahren, Nach den Privatisierungs-, Spekulations- und Mieterhöhungswellen der letzten zwei Jahrzehnte gibt es in Heven kaum noch erschwingliche Wohnungen für Familien mit Migrationshintergrund. Und wenn, dann handelt es sich um ähnliche Geschäftsmacher wie Grand City oder Peach.

Der MieterInnenverein hat die Forderungen der Peach-Verwaltung zurückgewiesen und die Vorlage einer Verwaltervollmacht der eigentlichen Vermietungsgesellschaft BSB VIII verlangt. „Bislang wissen wir nicht einmal sicher, ob Peach überhaupt dazu berechtigt ist, Mahnungen und Kündigungen für den eigentlich Vermieter, die Grundstücksgesellschaft BSB VIII GmbH vorzunehmen“, sagt Unger. „Offensichtlich haben die Manager von Peach hier Wohnungen gekauft, ohne sie sich vorher anzusehen. Die sind genauso abgehoben wie ihre Vorgänger. Die merken gar nicht, was sie den Mietern antun. Diese Wohnungen gehören nicht an die Börse. Sie gehören in öffentlich oder gemeinnützige Hand.“

Die Peach Property Group AG ist eine schweizerische Aktiengesellschaft, die in den letzten beiden Jahren durch Zukäufe von Immobilien in Deutschland stark angewachsen ist. Laut eigenen Angaben besitzt sie 23.000 Wohnungen mit einem Immobilienwert von 1,8 Mrd. Euro.  Auch in Dortmund und weiteren Städten in der Region ist Peach in den letzten Wochen mit unbegründeten Mahnschreiben aufgefallen.

Am Samstag, 27.3.2021 um 11 Uhr findet an der Berliner Straße in Witten (Nähe Kugelbrunnen) eine Protestversammlung gegen spekulative Vermieter statt. Peach Property ist einer dieser Vermieter. Veranstalter der Protestkundgebung sind der MieterInnenverein Witten und das Mieterforum Ruhr.  Die Veranstaltung ist Teil des europaweiten „Housing Action Day“ .