MieterInnenverein Witten |
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Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik
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Witten, Deutschland, 22.06.2009Annington: Kundenservice unerreichbarGroßvermieter: Chaos bei Einführung des neuen Call-Centers"Mehr Kundenservice und eine bessere Erreichbarkeit", versprach die DAIG mit Einführung ihrer neuen bundesweiten Hotline. Nach wenigen Wochen erleben Wittener Mieter aber eher Verantwortungslosigkeit und Unerreichbarkeit.Seit einigen Wochen setzt die Deutsche Annington (DAIG)ein gigantisches Umstrukturierungskonzept durch. Um 400 Arbeitsplätze abbauen zu können, wurde die Wohnungsverwaltung in Bochum zentralisiert. Dort sollen sich die MitarbeiterInnen einer bundesweiten Hotline um alle Mieteranfragen kümmern. Angeblich sollen sämtliche Mieterakten in elektronischer Form vorliegen. Für den Vor Ort-Service schwirren mobile Mitarbeiter durchs Land, die kurzfristig umdirigiert werden können.
Hier die Beispiele von zwei jungen Wittener Familien, die sich eigentlich auf den Bezug einer renovierten Annington-Wohnung zum 1. Juli freuten. Nun aber verzweifeln sie daran, dass die Annington Zusagen nicht einhält, notwendige Reparaturen nicht vornimmt und überdies zu Klärung der offenen Fragen unerreichbar ist.
Herr und Frau B. haben im April zum 1. Juli eine leerstehende Wohnung in der Schulze-Delitzsch-Straße 19 angemietet. Bei der Besichtigung im April sagte ein Mitarbeiter der DAIG diverse Reparaturen in der Wohnung zu. Anfang Juni, sobald die Arbeiten abgeschlossen seien, sollten die Mieter Zutritt zu der Wohnung erhalten. Darauf wartete Frau Bauer 3 Wochen vergeblich.
Bei der zentralen und für alle Mieter in Deutschland verbindlichen "Servicenummer" (3,9 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz. Andere Ansprechpartner für die Mieter gibt es nicht.) hing Frau B. bis zu 20 Minuten in der Warteschleife. Wenn sie jemanden erreichte, hieß es: "Das kann ich nur weiterleiten. Mit höchster Priorität."
Am 22.6. sollte nun endgültig die Wohnungsübergabe sein. Aber der aus einer anderen Stadt herbei gerufene DAIG-Außendienstmitarbeiter konnte nicht einmal die Schlüssel komplett aushändigen. Arbeiten an der Elektroinstallation waren nicht wie abgesprochen ausgeführt worden und vor allem nicht abgeschlossen. Auch die Wände müssen noch ausgebessert werden. Und der uralte Fußboden ist noch wesentlich beschädigter als bei der Besichtigung. "So kann ich hier doch nicht einziehen", sagte Frau B. Der Außendienstmitarbeiter schaute in seinen Laptop, sagte nur "ich weiß von nichts", notierte eine kleinen Teil der Mängel und war nach wenigen Minuten schon wider verschwunden. "Der stand total unter Zeitdruck“, sagt Frau B.
Nach dieser Erfahrung ist das Paar völlig ratlos, wie die Wohnung innerhalb von einer Woche noch in einen bewohnbaren Zustand gebracht werden soll. Der MieterInnenverein kündigte der DAIG vorsorglich an, dass die Mieter die Miete mindern werden und notwendige Arbeiten zur Herstellung des vertragsgemäßen Zustandes mit der Miete verrechnen werden. Die Kaution wird nur zum Teil gezahlt (worauf ohnehin ein Anspruch besteht) und die Einzugsermächtigung widerrufen.
"Wir wollen erreichen, dass die Mieter wenigstens einen Teil der nun erforderlichen zusätzlichen Kosten zurück erhalten“, sagt Rechtberaterin Gertraud Cölsche.
Anita P. und Domian A. haben bereits seit 1. Juni eine Wohnung der DAIG in der Gröpper Straße in Stockum angemietet. Seitdem versuchen sie, die heruntergekommene Bleibe auf Vordermann zu bringen und erleben dabei eine böse Überraschung nach der anderen.
Bei der Reinigung der Heizung spritzte ihnen die Flüssigkeit des Heizkostenverteilers entgegen, die Toiletten waren auch mit großer Mühe nicht in einen annehmbaren Zustand zu versetzen, bei der Entfernung der Tapeten kamen erhebliche Schimmelschäden zu Tage. Mitarbeiter der DAIG hatten die Schäden nur notdürftig übertüncht. Versprochene Arbeiten an den Elektroinstallationen wurden offenbar nicht fachkundig ausgeführt. Jedenfalls springt die Sicherung schon bei Betrieb von zwei Elektrogeräten heraus.
Auch in diesem Fall waren für die Mieter keine zuständigen Mitarbeiter bei der Annington erreichbar. Seit über einer Woche bemüht sich Frau Paltian mehrmals am Tag, die Reklamationen zu melden. Aber immer wieder erreichte sie nur eine endlose Warteschleife. Auch Briefe wurden nicht beantwortet.
Das Paar mit einem drei Monate alten Kind hat in den letzten Wochen viel Geld und Mühen in die Eigenreparatur der Wohnung gesteckt und dabei viele Arbeiten erledigt, für die eigentlich der Vermieter zuständig wäre. Auch hier fordert der Mieterverein von der Annington den Ersatz wenigstens eines Teils der Kosten.
"Die Annington behauptet, solche Erfahrungen seien nur Startschwierigkeiten. Aber warum starten die eine solche grundsätzliche Umstrukturierung ohne Testlauf und ohne Sicherungsvorkehrungen?", fragt sich Knut Unger, Sprecher des MieterInnenvereins. "Das wäre wohl zu teuer geworden. Mehr Service mit viel weniger Personal, das kann auch auf Dauer nicht klappen".
Die von dem krisengeschädigten britischen Finanzinvestor "Terra Firma" kontrollierte Deutsche Annington (DAIG) ist mit über 180.000 Wohnungen der größte deutsche Vermieter und durch Übernahme von ehemaligen Stahlarbeiterwohnungen die größte "Wohnungsheuschrecke" in Witten. Das Geschäftsjahr 2008 hat das Bochumer Unternehmen mit einem Verlust von 258 Mio. € abgeschlossen. Die Umstrukturierung soll den Unternehmenswert für den in einigen Jahren anstehenden Weiterverkauf der Beteiligung durch TerraFirma steigern. Im Zuge der Umstrukturierung hat die DAIG 400 Arbeitsplätze abgebaut. Gewerkschafter sprechen von einem Systembruch in der Wohnungsverwaltung, einer "Industrialisierung der Wohnungswirtschaft". Redaktion, MieterInnenverein Witten | |
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