MieterInnenverein Witten |
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Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik
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Witten, Deutschland, 12.08.2009Chaos bei Annington: Eine Familie im Einzugskampf"Mehr Kundenservice und eine bessere Erreichbarkeit", versprach die DAIG mit Einführung ihrer neuen bundesweiten Hotline. Seit Wochen erleben Wittener Mieter aber eher Verantwortungslosigkeit und Unerreichbarkeit. Zum Beispiel diese junge Familie, die seit Monaten um die Fertigstellung einer Wohnung in Witten-Stockum ringt.Anita Paltian und Domian Absalon haben bereits seit 1. Juni eine Wohnung der DAIG in der Gröpper Straße in Stockum angemietet. Mit viel Mühe und Geld versuchen sie seitdem die heruntergekommene Bleibe auf Vordermann zu bringen. Und erleben dabei eine böse Überraschung nach der anderen.
Schon äußerlich macht der Wohnungsblock mit den großen Wiesen einen arg vernachlässigten Eindruck: Das Beton-Vordach des Hauseingangs sieht bedrohlich nach Einsturzgefahr aus. "Seit Jahrzehnten ist hier nichts passiert", sagt die Nachbarin auf dem Balkon. Dieser ist eigentlich relativ neu. Nur der bei der Montage beschädigte Putz wurde nicht ausgebessert. "Sowas sind wir gewöhnt. Schimmel machen wir immer selber weg. Aber aus den Dachrinnen hört man bei starkem Regen das Wasser tropfen. Ja, Modernisierungen wurden schon vor über 10 Jahren versprochen."
Keine tollen Aussichten. Aber Frau Paltian hatte gerade ein Baby bekommen, wohnte bei der Mutter, und mit ihrem Partner suchte sie dringend eine Wohnung. In der Nachbarschaft wohnte eine Schwägerin, andere Gebäude der Wohnanlage sind in den letzten Jahren modernisiert worden. Wärmedämmungen wurden dort angebracht. Alles sieht frisch aus. Das werde sehr bald auch an diesem Block geschehen, versprach der Annington-Vertreter Frau Paltian und Herrn Absalon bei der Wohnungsbesichtigung.
Darauf verliess sich das junge Paar, ebenso wie auf etliche Versprechungen zur Behebung von Schimmel und anderen Wohnungsschäden. Für erforderliche umfangreiche Schönheitsreparaturen erliess die Annington den MieterInnen für mehrere Monate die Miete. Schönheitsreparaturen haben freilich wenig mit dem zu tun, was in den nächsten Wochen an Instandsetzungsarbeiten auf die MieterInnen zukam. Die junge Familie machte sich frisch ans Werk, merkte aber bald, dass sie den Aufwand unterschätzt hatte.
Bei der Reinigung der Heizkörper spritzte ihnen die Flüssigkeit der Heizkostenverteiler entgegen. Lüftungsschächte waren von uralten Dreckansammlungen verstopft. Die Toiletten waren auch mit großer Mühe nicht in einen annehmbaren Zustand zu versetzen. Bei der Entfernung von Tapeten im Bad kam den Mietern der Deckenputz entgegen und die zu Tage tretende Betondecke was schwarz vor Schimmel. Nur ein Teil der Schäden wurde von Mitarbeitern der DAIG ausgebessert. "Meistens war das Pfusch", sagt Herr Absalon. Schimmelschäden wurden nur notdürftig übertüncht. An völlig unzureichend gedämmten Bauteilen wurden nur minimale Dämmprofile aufgebracht. Versprochene Arbeiten an den Elektroinstallationen wurden offenbar nicht fachkundig ausgeführt. Jedenfalls sprang die Sicherung schon bei Betrieb von zwei Elektrogeräten heraus. "Wir können nur machen, wofür wir bezahlt werden", sagte einer der beauftragten Handwerker. Mehr als "Mindestlohn" zahle die Annington nicht.
Richtig unter Stress gerieten die jungen Leute aber erst, als die Annington Mitte Juni diesen Jahres ihren neuen "Kundenservice" einführte. Die MitarbeiterInnen, mit denen die Mieter zuvor alle Absprachen getroffen hatten, waren auf einmal nicht mehr erreichbar. Die bundesweit verbindliche Servicenummer 01801 – 12 12 12 auch nicht. Über mehrere Wochen bemüht sich Frau Paltian mehrmals am Tag, die Reklamationen zu melden. Aber immer wieder erreichte sie nur eine endlose Warteschleife. Auch Briefe, in denen die MieterInnen alle Mängel ordentlich auflisteten, wurden nicht beantwortet. Selbst als der MieterInnenverein Witten etliche Briefe und Faxe sandte, in denen Mietminderungen, die Aufrechnung der Miete mit den Eigenleistungen der MieterInnen, Schadensersatzforderungen und eine fristlose Kündigung angedroht wurden, verschwanden diese unbeantwortet im schwarzen Loch des Annington-Service. So verging Woche um Woche.
Irgendwann tauchten dann doch mal wieder Annington-MitarbeiterInnen auf, nahmen kleine Installationen unvollständig vor, ließen Geräte da, scheiterten am Anschluss einer Toilette...
Trotzdem. Ende Juli sieht man: Dank Fleiß und Geschick der MieterInnen und ihrer Freunde entsteht ein kleines Wohnparadies. Nur der Abluftschacht und der Schimmel im Bad sowie einige Installationen mache noch zu schaffen.
Der MieterInnenverein rät: damit die Wohnung endlich bezogen werden kann, beheben die MieterInnen auch diese Schäden in Eigenarbeit und fordern später alle zusätzlichen Kosten von der Annington zurück. In zwei Wochen, hoffen die berufstätigen MieterInnen, könnten sie endlich einziehen.
Aber dann kommt es zu einer neuen Überraschung: Bei der Anmietung konnte der Vermietervertreter keinen Schlüssel für den Waschkeller aushändigen. Als sich Frau Paltian den Schlüssel nun von einer Nachbarin besorgt, muss sie feststellen, dass in dem angeblichen Wachkeller gar keine Wasseranschlüsse vorhanden sind. In der Wohnung im Obergeschoss ist kein Platz zum Waschen und Trocknen, und überdies ist die Wohnung wegen Mängel an der Dämmung schwer schimmelgefährdet. Wieder muss irgendein Provisorium gefunden werden. Vielleicht kann die Waschmaschine doch vorübergehend in die Küche? Und wohin mit den guten Mountain-Bikes, die man nun wirklich nicht in dem völlig zugemüllten und nicht sicher abschließbaren Fahrradkeller stellen kann?
"Das macht mich alles völlig fertig", sagt die junge Mutter. "Bei der Herner Baugenossenschaft hat meine Familie eine Wohnung für die gleiche Miete. Da wird bei jedem Auszug komplett renoviert."
Die Liste der Beispiele aus Witten läßt sich verlängern. Ähnliche Erfahrungen gibt es aus allen anderen Ruhrgebietsstädten. Ein Einzug bei Annington wird immer mehr zum Überlebenstraining.
Knut Unger, MieterInnenverein Witten | Rubriken |
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