MieterInnenverein Witten |
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Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik
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Witten, Deutschland, 04.11.1996Mieterverdrängung bei ThyssenModernisierung ohne Rücksicht auf MieterInnenDie Thyssen-Wohnstätten AG hat mit einer umfangreichen Modernisierungsmaßnahme in den ehemaligen Werkswohnungen an der Dortmunder Straße 58 bis 66 begonnen. Als Folge der Maß-nahme sollen die Mieten von knapp 4 Mark auf über 10 Mark pro Quadratme-ter steigen. Bereits im Vorfeld hat sich Thyssen bemüht, die bisherigen Miete-rInnen aus den Wohnungen zu verdrängen.Seit Anfang des Jahres 1996 machten in der Dortmunder Straße Gerüchte die Runde, Thyssen wolle die Wohnungen modernisie-ren und die Mieten kräftig erhöhen. Wäh-rend der umfangreichen Bauarbeiten müßten die Mieterinnen und Mieter ausziehen. Die überwiegend türkischen Arbeiter und Arbei-terinnen waren verunsichert: Einerseits wünschten sie eine Reparatur der arg herun-tergekommenen Gebäude. Und auch gegen bessere Bäder und eine Zentralheizung hat-ten sie grundsätzlich nichts einzuwenden. Aber wie teuer sollte die Miete werden? Und: Wo sollten sie während der Bauarbei-ten wohnen. Diese Verunsicherung wurde keineswegs beigelegt, als eine „Sozialarbei-terin“ des Wohnungsunternehmens die Mietparteien einzeln besuchte und ihnen den Wechsel in andere Wohnungen naheleg-te. Die Bewohnerinnen und Bewohner bildeten eine Mieterinitiative, die um eine Beteiligung an den Planungen bat. Aber daraus wurde nichts. „Die Planungen lagen offensichtlich bereits fertig in den Schubladen“, bedauert der MieterInnenverein Witten. Die schließlich von Thyssen vorgelegte Ankündigung sah eine Mietererhöhung auf 10,30 DM/qm vor. Der MieterInnenverein, dem sich die Betroffenen zum Teil ange-schlossen haben, bezweifelt, daß es sich bei diesen Kosten eindeutig um Verbesserungen der Wohnungen handelt. Instandsetzungen müssen vom Vermieter bezahlt werden. Eine klare Berechnung des Anteils dieser Reparaturen an der Gesamtmaßnahme hat Thyssen bis heute aber nicht vorgelegt. Nach Ansicht des MieterInnenvereins verpflichtet diese Ankündigung von Thys-sen die Mieterinnen und Mieter nicht, die Baumaßnahmen zu dulden. Mindestens ein Mitglied des MieterInnenvereins wird gegen die Baumaßnahme klagen. In der Zwischen-zeit hat die agile „Sozialarbeiterin“ aller-dings dafür gesorgt, daß die Mehrzahl der Mietparteien in andere Wohnungen der Thyssen Wohnstätten umgezogen ist. Einzelnen Betroffenen wurden Ersatz-wohnungen angeboten, die wegen ihrer schlechten Qualität oder ihrer weiten Ent-fernung vom Arbeitsplatz nicht akzeptabel waren. Trotzdem ließ Thyssen nicht locker. Obwohl dem Unternehmen mehrfach mitge-teilt worden war, die Verhandlungen über den MieterInnenverein zu führen, besuchte die „Sozialarbeiterin“ immer wieder eine des Deutschen kaum mächtige türkische Mietpartei und verunsicherte diese mit be-drohlichen Andeutungen einer sonst erfor-derlichen Räumung. Der MieterInnenverein wendet sich nicht gegen Modernisierungen überhaupt und befürwortet insbesondere Maßnahmen zum sparsameren Energie-verbrauch. Diese Maßnahmen müssen aber sozialverträglich erfolgen und dürfen nicht zur Verdrängung der bisherigen Bewohne-rinnen und Bewohner führen. Dazu kann es sehr hilfreich sein, von Anfang an auf eine ehrliche und offene Art mit den MieterInnen und dem MieterInnenvereins zu kooperie-ren. Nach Ansicht des MieterInnevereins ist diese Offenheit von Thyssen von Anfang an nicht angestrebt worden. Die „Sozialarbeite-rin“ dient lediglich dazu, die Wohnungen kostengünstiger „freizuziehen“. Kooperation, das weiß der MieterInnen-verein bereits aus früheren Jahren, ist nicht die Stärke der Thyssen-Wohnstätten AG. Mit Planungen vom „grünen Tisch“ hat die-ser für Witten sehr bedeutsame Vermieter mehr als einmal versucht, sich überfällige Reparaturen von den Mieterinnen und Mie-tern bezahlen zu lassen. Bezeichnend ist nach Ansicht des Vereins, daß Thyssen die Modernisierung an der Dortmunder Straße freifinanziert und nicht zinsgünstige Darle-hen vom Land in Anspruch nimmt. Diese Darlehen werden nämlich nur vergeben, wenn die Miethöhe beschränkt bleibt und ökologische Auflagen erfüllt werden. Auch letzteres ist an der Dortmunder Straße of-fensichtlich nicht gewährleistet: Obwohl längst gute und preisgünstige Holzfenster mit Wärnmeschutzstandard im Angebot sind, setzt Thyssen den auf Landesebene geächteten Kunststoff PVC ein. Nach Freizug der meisten Wohnungen kann sich Thyssen freuen: Die bindungsfrei-en Appartements ermöglichen dem Konzern bei der Neuvermietung eine satte Rendite. Erst die Arbeitsplätze, dann die werksver-bundenen Wohnungen: Witten ist um ca. 30 dringend benötigte Wohnungen ärmer. Redaktion, MieterInnenverein Witten | |
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