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Witten, Deutschland, 10.04.2006

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Annen braucht ein Quartiersmanagement

Vor allem in älteren Miet- und Genossenschaftsquartieren verändert sich die Zusammensetzung der Bewohner rapide. Nicht jeder kann sich auf Anhieb riechen.

Die Bemühungen um das Projekt „Soziale Stadt“ in Annen haben an Fahrt gewonnen. Ein zweiter Workshop zum „Handlungskonzept“ für den Stadtteil beschäftigte sich in einer Arbeitsgruppe auch mit dem Thema „Wohnen“.

Frau Lopau von der Genossenschaft Witten-Ost berichtete über Schwierigkeiten mit dem „Generationenwechsel“ in der denkmalgeschützten Siedlung der Genossenschaft an der Mark. Alte Mieter und Hinzuzügler vertragen sich manchmal nicht so, wie das für ein enge Nachbarschaft mit Gemeinschaftsgärten, hellhörigen Wänden und viel gegenseitiger Beobachtung erforderlich wäre. Hier wohnt man „in der Siedlung“ und nicht nur in einer Wohnung.

Die Genossenschaft möchte die Probleme in Zukunft überwinden und lässt sich deshalb von dem Wittener Projektbüro Fresdorf beraten. Die Anlagen sind wie geschaffen für soziales Zusammenwohnen. Und gerade das ist etwas, das, jedenfalls beim Stadtteil-Workshop, besonders vermisst wird bei einigen Menschen in Annen und Witten.

Der Wittener Verein „Zwischenraum“ sucht seit langem vergeblich nach Möglichkeiten, seine Vorstellungen von „Mehr-Generationenwohnen“ zu verwirklichen. Bislang scheiterte es an geeigneten Objekten oder dem lieben Geld für den Erwerb einer Immobilie. Aber warum müssen Menschen, die sich das nur unter größten Mühen leisten können, eine Immobilie erwerben, wenn überall im Stadtteil Wohnungen frei werden?

Sicher, dafür müsste auch hier und da umgebaut werden. Aber viel wichtiger wäre es, wirkliche Nachbarschaften zu bilden und das geht nicht am grünen´Tisch. Ein intelligentes „Belegungsmanagement“ für Annen, das neue und alte Bewohner mitbestimmen lässt, könnte hier vielleicht weiter helfen.

Andere Teilnehmer beklagten, dass es in Annen – und in Witten überhaupt – an Wohnungen für Familien mit Kindern mangele. „Wir müssen irgendwo an den Stadtrand ziehen, dabei wären wir viel lieber hier in Annen, wo man um die Ecke Brötchen kaufen kann“, sagte ein Teilnehmer. An anderer Stelle in Annen sind es die Umweltbedingungen, die ein zukunftsfähiges Wohnen erschweren. Wer will mit Kindern

schon an eine laute und gefährliche Straße ziehen?

In solchen Bereichen kommt es

inzwischen stellenweise zu einem regelrechten Bevölkerungsaustausch: Arbeitslose

statt Rentner. Verhaltensregeln wie das wechselnde Flurputzen funktionieren

dann manchmal nicht mehr. Die Nachbarschaften brauchen eine gewisse Zeit und einige Erfahrungen, bis sich neue Regeln einspielen. Gelingt das nicht, können solche Wohnungsbestände einen schlechten Ruf entwickeln. Es ziehen dann nur noch bestimmte

Leute her, die keinen Zugang zu anderen Vierteln haben. Manche nennen es übertrieben „Ghetto“. In Annen gibt es nur einige Punkte, an denen man eine bedenkliche Entwicklung beobachten kann.

Noch ist es Zeit entgegenzuwirken, indem man die soziale Mischung im ganzen Stadtteil fördert. Jede Menge Aufgaben für ein Quartiersmanagement in der „Sozialen Stadt“ Annen.

Redaktion, MieterInnenverein Witten

Annen

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