MieterInnenverein Witten |
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Wohnungsmarkt und Wohnungspolitik
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Witten, Deutschland, 20.04.2007Stadtteilplanung HevenAm 19.4.2007 hat sich der Mieterbeirat Heven mit den veröffentlichten Leitzielen der Stadtplanung für die Stadtteilentwicklung in Heven beschäftigt. Mieterbeirat Heven und der MieterInnenverein Witten lehnen die Orientierung auf noch mehr Eigentumsmaßnahmen im Hevener Westen und eine auto freundliche Einkaufs-"Mitte" am Hellweg ab und fordern eine stärkere Konzentration auf die Interessen der vielen Mieter/innen und der Bewohner/innen in den östlichen Bereichen Hevens.Berücksichtigt man die tatsächliche Wohnbevölkerung, liegt die "Mitte" Hevens nicht am Hellweg/Steinhügel. Die meisten Menschen – darunter weiterhin viele Mieter/innen - wohnen im östlichen Teil Hevens (östlich der Achse Steinhügel-Hellweg). Viele beziehen sich stark auf die Innenstadt. Deshalb ist die bessere Gestaltung der Wegebeziehungen zwischen Heven und der Innenstadt von großer Bedeutung. Für die Nahversorgung ist u.a. der Einzelhandel an der Sprockhöveler Straße wichtig. Hier ist es bereits zu starken Einschränkungen (u.a. Schließung Edeka) des Angebotes gekommen. Auch für den Bereich am Hellweg - die angebliche "neue Mitte" - ist es wichtig, eine Nahversorgung zu sichern und einen Supermarkt zu erhalten. Eine Orientierung auf großflächigen Einzelhandel wäre aber verfehlt, wenn dies zu einer weiteren Schwächung der Einzelhandelsangebote im östlichen Bereich führen würde. Zudem führt die Ansiedlung großflächigen Einzelhandels auf dem "Ascheplatz" für sich allein nicht zu einem städtebaulich integrierten Ortskern, sondern schafft einen zusätzlichen Verkehrsmagneten. Diese Angebote richten sich an Autofahrer, die aus allen möglichen Stadtgebieten kommen, nicht vorrangig an Fußgänger und Radfahrer aus Heven. Die Zielsetzung für mehr "hochwertiges" Eigentum im Westen Hevens geht am sozialen Bedarf und den Bedürfnissen der Mieter/innen vorbei, vertieft die soziale Entmischung zwischen einem reichen Westen und einem armen Osten und führt zu zusätzlichen Verkehrsproblemen. Durch die Verkäufe zahlreicher Werkswohnungen hat Heven bereits umfangreich preisgünstige Mietwohnungen verloren. Mieter/innen wurden verdrängt, Nachbarschaften belastet, Mietergärten und andere Außenräume gingen verloren, öffentlich zugängliches Grün wurde parzelliert. Die Mieter/innen in den betroffenen Gebieten standen und stehen unter dem Druck der Verwerter. Es kam zu Umwandlungen in Eigentumswohnungen, absurden Mieterhöhungsversuchen, unbegründeten Heizkostensteigerungen. Ein Restbestand der Firma Häusserbau an Höffken und Wannen wurde vor wenigen Wochen an einen Berliner Fonds veräußert. In einem Teilbestand gibt es hier starke Instandhaltungsprobleme. Die meisten Mietwohnungen in Heven befinden sich heute im Eigentum von Fondsgesellschaften, die sich kaum für eine soziale Stadtentwicklung einsetzen werden. Die Versprechungen der Stadt, sich für die Mieterinteressen in Heven einzusetzen, wurden nicht erfüllt. Anstatt die kommunale Siedlungsgesellschaft als Akteur für die Sicherung des Wohnens zur Miete und für eine sozialverträgliche Gestaltung der Verkaufsprozesse ins Spiel zu bringen, verkaufte diese selber 120 Wohnungen an den Verwerter Häusserbau. Es ist weiterhin unzureichend erkennbar, mit welchen Mitteln die Stadt der Abwärtsentwicklung der Wohn- und Stadtqualität im Bereich Heven-Ost/Witten-West entgegen wirken will. Versprechungen erreichen hier nicht. Im Zuge der Kanalbaumaßnahmen wurde völlig verpasst, die Qualität für Anwohner, Radfahrer und Fußgänger – auch mit preisgünstigen Mitteln - zu verbessern. Das Eingangstor zur Stadt an der Herbeder Straße befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Es liegt nahe, von einer systematischen Benachteiligung der Schnittstellen zwischen Innenstadt und Heven zu sprechen. Darauf ist eine "neue Mitte" die falsche Antwort. Die richtige Antwort ist die Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität in diesen Bereichen, etwa durch eine gezielte Verbesserung des Lärmschutzes, Entwicklung von Straßengrün und quartiersnahen Grünflächen. Dagegen ist kaum zu erkennen, dass in relevantem Ausmaß abgerissen werden muss. Aus Mietersicht ist preisgünstiger Wohnraum zu sichern und zu verbessern und nicht durch falsche Weichenstellungen der Entwertung und dem Abriss auszuliefern.
Der MieterInnenverein Witten und der Mieterbeirat Heven sehen den hauptsächlichen Handlungsbedarf für die Stadtteilrahmenplanung - in der Verbesserung der Wohn(um)feldqualität in Heven und Witten-West; - in der Sicherung des Wohnens zur Miete und guter Nachbarschaften; - in der Sicherung der Nahversorgung, auch in Heven-Ost und Witten-West; - in der Schaffung von innovativen Wohnungsangeboten für Normalverdiener zur Miete oder in gemeinschaftlicher Form. Dazu gehört auch Mehrgenerationenwohnen. Wir schlagen ein gemeinschaftsorientiertes Mehrgenerationen-Wohnprojekt auf den Flächen am Fischertalweg vor. Dabei soll, dem Planungsstand entsprechend, eine weiter nördlich gelegene Fläche als Anwohnerpark gestaltet werden. Ähnliche Ziele könnte man für andere kleinere Bauflächen in guter Versorgungslage anstreben. - in der Verbesserung der Übergangszonen zwischen Heven und Innenstadt. Als Sofortmaßnahmen wäre zum Beispiel eine Ausbesserung der Fahrbahndecke an der Herbeder Straße erforderlich. Am Stahlwerk sollten weitere Fassaden gereinigt und in eine besseres Licht gesetzt werden.
Aus Sicht des MieterInnenvereins wäre außerdem - die Beplanung der ehemaligen Bahn-Flächen nördlich Drei Könige für ein reines Gewerbegebiet verfehlt. Eine solche Planung würde die Trennung zwischen Heven und Innenstadt vertiefen und zu einer weiteren Belastung der angrenzenden Wohnquartiere führen. Zudem ist die Erschließung völlig fraglich. Statt dessen gibt es in diesem Bereich ein deutliches Defizit an Grünflächen. - auch für Heven und Witten-West in einigen Bereichen ein soziales Quartiersmanagement erforderlich, weil es in vernachlässigten Wohnungsbeständen zu einer Konzentration der Armuts- und Migrationsbevölkerung kommt. Die Stadt müsste gezielt von ihren rechtlichen Möglichkeiten zur Durchsetzung von Instandhaltungen Gebrauch machen. - Abrisse von Wohnvierteln sind nirgendwo erforderlich.
Knut Unger, MieterInnenverein Witten | Rubriken |
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