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Witten, Deutschland, 16.08.2010

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Basta! und MieterInnenverein fordern Erhalt der Stadtbücherei

Wie die meisten Kürzungen, Privatisierungen und Schließungen werden auch die städtischen Planungen zur Zukunft der Stadtbücherei und der Stadtteilbibliotheken nicht im Lichte der Öffentlichkeit geführt. Inzwischen ist aber nicht mehr zu verheimlichen, dass die Stadtverwaltung offensichtlich die zentrale Stadtbücherei in Kürze ganz aufgeben will. Angeblich müsste hier zu viel in die Sanierung des Gebäudes investiert werden. Nach Informationen von „basta! Witten“ ist ein Ersatz in der Innenstadt nicht in Sicht. Ein Teil der Buch-Bestände soll verramscht, ein Rest nach Annen verlagert werden.

Seit Monaten wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Kulturforum bereits ein Konzept diskutiert, das Spezial-Angebote mit vermehrten Angebot an neuen Medien für Kinder, Jungendliche, Migranten in derzeitigen Stadtteilbibliotheken vorsieht. Wie schon das grandios gescheiterte Konzept eines „Wissenszentrums“ (Integration von Stadtarchiv, Bibliothek und Museum auf dem jetzigen Gelände des Märkischen Museums) erweist sich diese Konzept nun als Nebelkerze, das einzig und allein dazu dient, von dem geplanten Kahlschlag der Wittener Stadtbibliotheken abzulenken. Denn auch die Schaffung von "Spezial-Mediatheken" in den Stadtteilen (Jugendliche in Heven, Kinder in Bommern, MigratInnen in Annen?) würde Investitionen und Personalausstockungen erfordern. Unabhängig davon würde eine solche spezialisierte Dezentralisierung der Bibliotheken den Charakter der Stadtbibliothek als integrativen Ort der kommunalen Gesellschaft zerstören. Der Anspruch aller BürgerInnen auf freien Zugang zu Bildung und Wissen in all ihren Formen wird ersetzt durch Erziehungsanstalten zur Anpassung an die Informationsgesellschaft.

In den bislang diskutierten "Szenarien" wurde für "traditionelle Schichten und Senioren" immerhin noch eine Art Rest-Bibliothek in der Innenstadt vorgesehen. Inzwischen müssen wir aber davon ausgehen, dass von dem "traditionellen" Bibliotheksangebot zumindest in der Innenstadt gar nichts mehr übrig bleiben soll.

Die Schließung der zentralen Stadtbibliothek wäre ein sozial- und kulturpolitischer Kahlschlag, der alle bislang von den Wittener erduldeten Streichmaßnahmen übertreffen würde. Eine Fast-Großstadt, deren Innenstadt mehr als sechs weiterführende Schulen aufweist, und die sich zudem "Universitätsstadt" schimpft, beschließt im Jahr der "Kulturhauptstadt Ruhr" den Abschied von der Grundversorgung mit Wissen und Bildung in der City?

Das ist unglaublich. Die Kürzer und Vermarkter im Rathaus scheinen keine Schmerzgrenzen mehr zu kennen.

Basta! Mit diesem heimlichen Totsparen unserer Stadt muss Schluss sein!

Wir fordern:

- Sofortige, komplette Offenlegung aller Planungen und Fakten zu den Stadtbibliotheken!

- Keine Schließung der zentralen Stadtbücherei, sondern Sanierung und zeitgemäßer Ausbau!

- Für ein kommunales Bibliothekssystem, das im Zentrum allen BürgerInnen kostenfreien Zugang zu dem Wissen ermöglicht, das einer Universitätsstadt entspricht, und das in allen Stadtteilen alle Zielgruppen bedarfsgerecht mit Büchern und Medien versorgt!

Wir rufen alle WittenerInnen auf, ihre Stadtbibliotheken zu verteidigen!

Gez.

Knut Unger, MieterInnenverein Witten

Martin Halberstadt für basta! Witten

Knut Unger, MieterInnenverein Witten
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