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Witten, Deutschland, 15.09.2008

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Neues Wohnen in Witten? Kleine Zwischenbilanz

Mit einer Auftaktveranstaltung in Haus Witten begann der MieterInnenverein Ende des letzten Jahres sein Projekt "Gemeinschaftlich Wohnen - Neue Nachbarschaften in Witten". Das Ziel: Die NutzerInnen der Wohnungen sollen die angebotene Ware micht mehr nur konsumieren, sondern sich verstärkt in die Gestaltung ihres Wohnens einbringen können. Seit dem Frühjahr haben wir in Zusammenarbeit mit der VHS ein regelmäßiges Forum für Wohnprojekt-Interessierte geschaffen. Dieses Forum soll dem Austausch von Projektinitiativen dienen. Es geht aber auch darum, die Stadt für das Thema zu sensibilisieren und alternative Planungs-Ideen für Witten zu entwickeln. Inzwischen ist eine kleine Zwischenbilanz möglich.

Ohne Moos nix los?

Gleich bei der Auftaktveranstaltung wurde klar, was bei diesem Projekt nicht im Mittelpunkt steht. Luxuriöses „Wohnen mit Service“ und auch die Bemühungen der Stadt um mehr freistehende Eigenheime sind ohnehin nicht unsere Sache. Aber auch Bauwillige, die sich zu „Baugruppen“ zusammenschließen, um kleine Gemeinschaftssied-lungen (meist mit einem sozialen und/oder ökologischen Plus) zu schaffen, werden durch unser Projekt bislang eher nicht erreicht.

Trotz Berufstätigkeit können sich die meisten Interessierten eine finanzielle Beteiligung an dem Kauf oder der Errichtung von Wohnungen nicht leisten oder zumindest nicht vorstellen. Möglich, dass hier und da bei konkreten Projekten doch noch Möglichkeiten für private Investitionen in Gemeinschaftsprojekte deutlich werden. In der Breite allerdings sind die meisten Interessierten auf Mietwohnungen angewiesen.

Wohnprojekte brauchen Partner

Vor diesem Hintergrund ist klar: Bezahlbare Wohnprojekte brauchen Partner, - am besten bestehende gemeinnützige Wohnungsunternehmen. Keine Witte-ner Genossenschaft oder Gesellschaft hat aber z. Zt. Objekte im Angebot, die für eine größere Hausgemeinschaft geeignet wären.

Die Genossenschaft Witten-Ost hat einer Gruppe von Wohnungssuchen-den, die zusammen in ein Viertel ziehen wollen, zwar Angebote in ihrem Bestand gemacht. Die angebotenen Wohnungen waren aber zu klein, eine Zusammenlegung zu teuer. Die Siedlungsgesellschaft Witten (SGW) hat grundsätzlich ihr langfristiges Interesse signalisiert. Im Moment aber hat die SGW aber alle Hände voll zu tun mit ihrem barriefreien Wohnprojekt am Preinsholz. Und mit Kapital gesegnet ist sie auch nicht.

Pioniere gesucht

Die Bereitschaft der Wohnungswirtschaft, in Wohnprojekte zu investieren, könnte wachsen, wenn sich neue Wohnformen mehr durchsetzen. Um dahin zu gelangen, braucht es Pioniere. Am besten mit viel Hartnäckigkeit und etwas Kapital im Rücken. Dazu könnten auch in Witten älter werdende Menschen zählen, die in ihrem bisherigen Eigenheim nicht mehr glücklich sind. Konkretere Vorstellungen hat bereits ein erfolgreiches Wittener Tourneetheater. Gesucht wird eine dauerhafte Bleibe mit Wohnungen, einer kleinen Probebühne und Werkstätten. Diese Gruppe will auch selber investieren und ihr Projekt zusammen mit anderen verwirklichen.

Stadt bewegt sich

Ohne Unterstützung der Stadt bei der Suche nach Gebäuden und Grundstücken sind allerdings auch Pioniere aufgeschmissen. Vor allem hier hat sich in den letzten Monaten etwas bewegt. MitarbeiterInnen der Stadt haben mit Informationen bereits zum gemeinsamen Lernprozess beigetragen. Neue Wohnformen werden im Stadtentwick-lungskonzept erwähnt, die Stadt beteiligt sich an einer Veranstaltung im nächsten März. Und die SPD hat einen Ratsantrag auf Einrichtung eines "Serviceteams Neue Wohnformen" gestellt.

Damit gibt es die Chance, dass die Förderung von Wohnprojekten Teil der Kommunalpolitik wird. Wie diese Förderung aussehen kann, darüber lässt sich in den nächsten Monaten diskutieren. Am besten anhand konkreter Ideen und Projekte.

Knut Unger, MieterInnenverein Witten

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