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Witten, Deutschland, 26.09.2011

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Blaue Briefe der Annington füllen den Papierkorb

Inkasso-Tochter soll abschrecken und Mieter zur Kasse bitten

Etliche Wittener Mieter/innen der Deutschen Annington haben in den letzten Wochen tiefblaue Briefumschläge in ihren Briefkästen gefunden. Absender sind nicht Schuldirektoren, die Eltern über schlechte Zensuren ihrer Kinder aufklären. Sondern eine Firma mit dem ehrfurchtseinflößenden Namen "Deutsche Wohn-Inkasso GmbH". Im Auftrag des Vermieters verschickt dieses von der Annington einzig zu diesem Zweck gegründete Unternehmen "Mahnungen" wegen angeblich rückständiger Mieten. Es verlangt für diese Leistung horrende Inkassogebühren von bis zu 127 Euro. Der MieterInnenverein beruhigt: "Die blauen Briefe, die wir bisher gesehen haben, könnten getrost im Papierkorb entsorgt werden. Aber natürlich ist es besser, wenn man bei der Gelegenheit seine Belege zusammensucht und die Tatsachen noch mal klarstellt."

Nach Angaben der Deutsche Annington erfolgen Zahlungserinnerungen nur noch über die neue Unternehmens-Tochter „Deutsche Wohn-Inkasso“. Eine kostenfreie Zahlungserinnerung (wie bei anderen Unternehmen durchaus weiter üblich) gibt es nicht. Es wird eine 1. Mahnung mit 4,50 € Mahngebühr verschickt. Bei der dann folgenden 2. Mahnung schlägt die Inkasso-Tochter mit dem "Gebührenhammer" zu und fordert mindestens ca. 49,50 € Gebühren. Bei höheren Forderungsbeträgen noch mehr.

In Witten beträgt die Spitzenforderung bislang 127,50 € allein für die Inkasso-Gebühren. Betroffen ist ein ehemaliger Annington-Mieter, der 2008 eine Heizkostenabrechnung nicht akzeptiert hatte. In einem anderen Fall beträgt die Inkassogebühr 97,50 Euro. Hier war seit 2009 die Miete wegen diverser Schäden um 5 bis 10 % gemindert, was jeweils durch den MieterInnenverein mitgeteilt wurde.

Der MieterInnenverein hält die ihm vorliegenden acht Mahnungen für unbegründet. In allen vorliegenden Fällen wurde die Miete wegen Schäden und Mängeln berechtigt gemindert, es wurden Nachzahlungsforderungen wegen nicht erfolgter Rechnungslegung bei Betriebskostenabrechnungen zurück behalten oder es wurden nicht ausgezahlte Gutschriften von der Miete einbehalten. Nur zum Teil wurde die Berechtigung zu Minderungen, Zurückbehaltungen oder Aufrechnungen von der Annington überhaupt bestritten. In mehreren Fällen hatte die Annington seit Jahren auf Forderungen und Maßnahmen der Mieter nicht reagiert.

Offensichtlich, so der MieterInnenverein, versuche die durch Personalabbau-Maßnahmen wie das schlecht erreichbare „Call-Center“ in große Schwierigkeiten geratene Wohnungsverwaltung der Annington ihre zahlreichen unerledigten Streitfälle nun auf die neue gegründete Inkasso-Tochter abzuwälzen. Nennenswert neues Personal wurde nach Kenntnis des MieterInnenvereins für diese neue Firma nicht eingestellt. Die Neugründung solle offensichtlich lediglich ermöglichen, horrende Inkassogebühren zu verlangen.

"Mit dieser Maßnahme verfolgt die Annington offensichtlich gleich mehrere Ziele gleichzeitig", sagt Knut Unger, Sprecher des MieterInnenvereins Witten. "Erstens wird die überforderte Wohnungsverwaltung scheinbar entlastet. Zweitens wird versucht, die weiteren Kosten den Mietern aufzubürden. Und drittens soll das natürlich Mieter verunsichern und von der Wahrnehmung ihrer Rechte abhalten.“ Unger glaubt nicht, dass diese Rechnung aufgehen wird. „Auf diese Weise kann die Annington nur zusätzliche Mieterklagen, weiteren Leerstand und vernachlässigte Wohnhäuser produzieren. Die ständig neuen Verzweiflungstaten dieses Konzerns zeigen nur, wie sehr dem Management das Wasser schon zum Hals steht."

Leider sei es seit einiger Zeit grundsätzlich rechtlich zulässig, dass Unternehmen des gleichen Konzerns Inkasso-Kosten berechnen. Es sei allerdings zu überprüfen, ob der Annington eventuell wegen einer Vielzahl von offensichtlich falschen und missbräuchlichen Mahnungen die entsprechende Erlaubnis durch die zuständige Behörde entzogen werden könne.

Das Mieterforum Ruhr, dem auch der MieterInnenverein Witten angehört, fordert von der Deutschen Annington die Einstellung der "Inkasso-Aktivitäten" und die Rückzahlung der Gebühreneinnahmen.

"Mieter sollten sich nicht verängstigen lassen", rät Rechtsberaterin Susanne Flöter vom MieterInnenverein Witten. "Wer mit zweifelhaften Zahlungsaufforderungen oder hohen Inkasso-Gebühren überzogen wird, sollte sich sofort an seinen Mieterverein wenden."

Unberechtigte Forderungen werden von dort zurückgewiesen. Aber auch bei im Grunde berechtigten Forderungen muss nicht jede Gebühr akzeptiert werden. Die Mietervereine werden in gerichtlichen Verfahren klären lassen, welche Gebühren maximal berechtigt sind.

Redaktion, MieterInnenverein Witten

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