MieterInnenverein Witten |
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HARTZ IV: Wohnen u. Arbeitslosigkeit
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Witten, Deutschland, 01.12.2011Mieter am Höffken sind immer mehr auf sich selbst angewiesenDa half nur noch MietstreikDie MieterInnen der Hevener Siedlung Höffken/Wannen sind mit einem Vermieter geschlagen, der die ehemaligen Werkswohnungen offenbar aufgegeben hat. Während des ganzen Jahres 2011 sind die Wiesen der Wohnanlage nicht ein einziges Mal im Auftrag des Vermieters geschnitten worden. Die Außenbeleuchtung ist teilweise ausgefallen. Verstopfte Dachrinnen laufen über. Wie die MieterInnen seit einer drohenden Wassersperrung im Frühjahr 2010 wissen, kann es noch schlimmer kommen.Foto: Kein Rasenschnitt am Höffken, Foto: Matzel
VERSORGUNGSSPERRE
Die Begründung der Sperrung: Seit August 2009 hatte die seinerzeit zuständige Verwaltungsfirma "Atera" Rechnungen der Stadtwerke für Wasser, Entwässerung, Gas und Allgemeinstrom nicht mehr beglichen. In der Folge sei, so die Stadtwerke, eine "hohe fünfstellige Summe" an Rückständen aufgelaufen. Auf Mahnschreiben der Stadtwerke reagierte die "Atera" nicht. Auch telefonische Zahlungszusagen wurden nicht eingehalten. Schließlich sahen sich die Wittener Stadtwerke im April 2010 gezwungen, die Reißleine zu ziehen, die Verträge mit dem Vermieter zu kündigen und die Lieferung einzustellen. Damit drohten die Stadtwerke ausgerechnet die am Rückstand unschuldigen Mieter zu bestrafen. Diese sind verpflichtet, die Nebenkosten an den Vermieter zu zahlen, erwerben dadurch aber keine Rechte gegenüber den Stadtwerken. Der MieterInnenverein führte daraufhin mit seinen Mitgliedern eine Versammlung in der Wohnanlage durch. Alle anwesenden MieterInnen waren mit dem Vorschlag sofort einverstanden: Bis zur Aufhebung der Versorgungssperre sollten die Mietzahlungen – wegen drohender Unbewohnbarkeit – zurückbehalten werden, und zwar in voller Höhe. Damit sollte der Eigentümer zur Zahlung seiner Schulden bei den Stadtwerken gezwungen werden. Und zugleich sollte das Geld eingespart werden, um sich zur Not selbst zu helfen. Wegen ihres Vorgehens zu Lasten der Mieter standen auch die Stadtwerke in der Kritik. Sollte selbst 90jährigen Mietern zugemutet werden, sich nur noch im Keller zu waschen? Das wollten sich auch die Stadtwerke nicht wirklich vorstellen. Dem MieterInnenverein gelang es, mit ihnen ein Vorgehen abzusprechen: Sollte die "Atera", trotz des "Mietstreiks" nicht reagieren, sollten direkte Verträge zwischen MieterInnen und den Stadtwerken abgeschlossen und die laufenden Kosten aus der zurückbehaltenen Miete beglichen werden. So weit kam es nicht. Kurz nach den ersten Mitteilungen zu den Zurückbehaltungen an den Vermieter erhielten die Stadtwerke einen Anruf von der „Atera“, die nun plötzlich die Zahlung der rückständigen Kosten versprach. Am nächsten Tag erhielt der MieterInnenverein einen Telefonanruf von der Geschäftsführung der „Atera“ in Frankfurt und dem Chef des Unternehmens "Rosebud" in Tel Aviv, das Hauptgesellschafter des Eigentümer-Fonds "BSB VIII GmbH" ist. Der Chef entschuldigte sich, lud scherzhaft zum Kaffee nach "Griechenland" ein und versicherte, dass die erste Rate an die Stadtwerke bereits unterwegs sei. Auch die Gartenpflege solle in Kürze wieder aufgenommen werden. Außerdem seien sogar Reparaturen geplant. Die Stadtwerke aber trauten den Ankündigungen noch nicht. Sie wollten eine Entscheidung zur Aufhebung des Lieferstopps erst nach dem Geldeingang fällen. Erst nach weiteren Ultimaten ging die Zahlung schließlich bei den Stadtwerken ein. Die "streikenden" MieterInnen überwiesen verlässlich die zurückbehaltene Miete. Die 46 Mieterhaushalte hatten innerhalb weniger Tagen mehr als 14.000 Euro zurückbehalten. So ein Druckmittel macht auch denkfaule "Heuschrecken" erfinderisch.
SCHÄDEN HÄUFEN SICH
Mit diesem Teilsieg der MieterInnen ist die Vernachlässigung der Wohnanlage am Höffken aber leider noch lange nicht überwunden. Schon im Herbst 2010 mussten die BewohnerInnen die Entsorgung des Laubes selbst erledigen, weil die Gartenpfleger des Vermieters ihre Dienste eingestellt hatten. Im ganzen Jahr 2011 schickte der Vermieter nicht einziges Mal die Rasenmäher. Wenn trotzdem das wuchernde Gras geschnitten wurde, erledigten Mieter das selber: mit geliehenen Rasenmähern oder der alten Sense aus der Gartenlaube. Wegen zugewucherter Vorgärten beschwerten sich inzwischen auch Nachbarn. Der Außenbereich kann bei noch besserer Organisation vielleicht von den Mietern in Schuss gehalten werden. Aber was ist mit Schäden an Wohnungen und Gebäuden? In vielen Wohnungen kommt es immer wieder zu kleineren Schäden deren Behebung an sich nur eine Lappalie wäre. Da die Verwaltungsfirmen des Vermieters aber oft nicht auf Schadensmeldungen reagieren, werden die Mängel immer umfangreicher. Manche MieterInnen sind längst dazu übergegangen, sich bei solchen kleinen Reparaturen selbst zu helfen. Wenn sie – z.B. mit Hilfe des MieterInnenvereins – den Vermieter schriftlich abmahnen und die Absicht der "Selbstvornahme" mitteilen, können sie auch die Kosten zurückfordern, bzw. von der Miete einbehalten. Es bestehen jedoch längst Mängel an den Gebäuden, die die Mieter nicht selbst repararieren können. Die Dachrinnen sind verstopft, so dass überlaufendes Wasser für Schäden auf den Balkonen sorgt. Dort gibt es bedenklicher werdende Betonschäden. Auf Dächern sind Dachziegel verrutscht. In anderen Fällen führen marode Heizungs- und Regenwasserrohre bereits zu Wasserschäden in den Kellern. In einigen Wohnungen kommt es zu Schwarzschimmelschäden, weil Stahlträger falsch verlegt oder weil auf notwendige Dämmungen verzichtet wurde. Besonders schlimm sieht es in und bei einzelnen Häusern am „Wannen“ aus, wo sich auch die Leerstände häufen. Auf Zuwegungen ist die Beleuchtung ausgefallen. Gestrüpp und Müll nerven die Nachbarn. Da sind auch die hier möglichen kräftige Mietminderungen nur ein schwacher Trost. Auch ein im letzten Sommer erfolgter plötzlicher Wechsel der Verwaltung von der "Atera" zu der "Deutsche Immobilien Management GmbH" in Berlin brachte kaum Verbesserungen. Zwar wurden einige besonders akute Wasserschäden repariert, aber von einem Abbau des Instandsetzungsstaus kann keine Rede sein. Der zuständige Verwalter ist kaum zu erreichen. 2011 fügte die Stadt Witten diesen Übeln ein weiteres hinzu, als sie am „Wannen“ monatelang eine laute und staubige Anlage zum Umfüllen und Lagern von Bodenaushub für eine Kanalbaumaßnahme betrieb. Hätte sie das auch gewagt, wenn hier Oberstudienräte und Amtsleiter wohnen würden? Und wäre dann vielleicht die "Wohnungsaufsicht" der Stadt, die von den Missständen weiß, inzwischen wirksamer tätig geworden? Redaktion, MieterInnenverein Witten | Rubriken |
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